Samstag, 11. Juli 2015

Unterwegs mit der Bundeswanderwehr

Von der Bundeswehr kann man unterschiedliche Dinge halten. Nichts, zum Beispiel. Weil man Krieg, Gewalt und Waffen ganz grundsätzlich ablehnt und es nicht gut findet, wenn Menschen mit Waffen herumrennen, um andere Menschen zu erschießen. Oder auch viel. Weil man umgekehrt argumentiert und davon überzeugt ist, dass man bewaffnete Streitkräfte gerade dann benötigt, wenn man Frieden, Stabilität und Sicherheit gewährleistet sehen möchte. Erhitzt kann man lange hierüber diskutieren. Manch einer hält sich aus solcherlei anstrengenden Diskussionen geschickt heraus, in dem er darauf verweist, dass - bewaffnete Auseinandersetzungen hin oder her - der Bundeswehr allein schon deswegen große Bedeutung und Daseinsberechtigung zukommt, weil man hier einfach am besten lernt, wie man Hemden richtig faltet. Ich halte das für billige Polemik. Warum muss man Hemden exakt auf DIN A4-Größe falten können? Ich habe noch nie jemanden gesehen, der seine Hemden in einen Aktenordner heftet. Was meines Erachtens bei dieser Diskussion allerdings viel zu häufig vergessen wird, ist die Tatsache, wie wertvoll die Bundeswehr für Wanderer ist.

Ich selber habe mit der Bundeswehr nie etwas zu schaffen gehabt. Und das, obwohl ich voll tauglich war - wie bei der ärztlichen Untersuchung im Rahmen meiner Musterung festgestellt wurde, die zu meiner Zeit noch für alle jungen Männer verpflichtend war. Einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung habe ich nie gestellt und Zivildienst oder ein andere Form des Wehrersatzdienstes habe ich ebenfalls nie abgeleistet. Es gab damals neben einer Schwerbehinderung, der Ausübung elterlicher Sorge, der Tätigkeit als Geistlicher und den eben benannten Möglichkeiten noch einen weiteren Grund, warum man sich vom Wehrdienst befreien lassen konnte, auf den ich mich damals berief. Wen es interessiert: Dieser nicht so häufig vorkommende Fall ist in § 11 Abs. 2 WPflG geregelt. Doch den Angaben von David zufolge, der mein Begleiter auf der Wandertour über die Alpen sein wird, scheint die Bundeswehr nicht nur Kriegs- sondern ganz offensichtlich auch Wanderbedarf im Sortiment zu haben.

Mit David, der im Gegensatz zu mir über Bundeswehr-Erfahrung verfügt, bin ich nämlich vor kurzem eine wichtige Liste durchgegangen: Die Liste mit Kleidungsstücken und Ausrüstungsgegenständen, die für so eine Wandertour durch die Alpen durchaus nützlich sein können. Natürlich kann man es sich auch einfach machen und nur mit einem Mantel aus Schafsfell, Beinlingen, Kalbsleder-Gürtel, Lendenschurz und Wolfsmütze bekleidet auf den Alpen herumspazieren - in Schuhen, die aus Rindleder und isolierendem Bärenfell bestehen, mit einem Innenschuh aus gedrillten und verzwirnten Grasschnüren, dazwischen gestopftem trockenen Süßgras und Schnürsenkeln aus Lindenbast. Als Gepäck könnte man sich sicher auf Grasmantel, Klingenkratzer, Bohrer sowie eine abgebrochene Klinge beschränken. Doch was in der späten Jungsteinzeit gerade voll in Mode war, ist inzwischen nicht mehr so ganz so hip. Es ist das alte Lied: Was eben noch als schick gilt, ist einige tausend Jahre später schon wieder total veraltet. Wer mal versucht hat, in einem Trekking-Laden heutzutage Lindebast-Schnürsenkel oder gedrillte und verzwirnte Grasschnüre zu bekommen, der weiß, wovon ich rede. Von einem Klingenkratzer mal ganz zu schweigen - so etwas bekommt man heute einfach nicht mehr.

Wie dem auch sei: Mit David bin ich also jene Liste durchgegangen, um sicherzugehen, dass er mit den besten Voraussetzungen in unser gemeinsames Berg-Abenteuer startet. Denn da kann ja auch schnell mal etwas schief gehen. Wie das dann ausgeht, das hat uns der Mann vom Tisenjoch - besser bekannt als "Ötzi" - ja nun schließlich vorgemacht. Auch wenn wir beide gerne ausschlafen: Die Aussicht, 5.000 Jahre lang in irgendeinem Gletscher herumzuliegen, reizt weder David noch mich besonders. Als Kili-Held bin ich hinsichtlich Wanderkleidung und Ausrüstung ziemlich gut ausgestattet. Lediglich die Wanderhose werde ich ersetzen müssen, denn die passt nicht mehr. Ein Fabrikationsfehler vermutlich - das passiert ja gerne schon mal, dass sich Kleidungsstücke nach einer Weile von alleine verengen und untragbar werden. Und eine neue Handy-Hülle benötige ich, denn meine letzte hatte ich an meinen Bergführer verschenkt. David hingegen besitzt fast kein einziges Kleidungsstück aus dem Fachhandel für Bergsteiger - aber noch ein umfängliches Arsenal von ausgedienten Bundeswehrklamotten. Wenn ich seinen Worten Glauben schenken darf, dann sind viele Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände von der Bundeswehr auch für mehrtägige Wandertouren bestens geeignet. Und das, obwohl David nicht bei den Gebirgsjägern, sondern bei der Marine seinen Dienst geleistet hat. David wird nun anscheinend mit einem Bundeswehr-Rucksack, Bundeswehr-Unterwäsche, Bundeswehr-Socken und weiteren Bundeswehr-Accessoires die Alpen überqueren. Meinen Ratschlag, auch Bundeswehr-Flipflops, einen Bundeswehr-Flachmann und unbedingt auch Bundeswehr-Ohrenstöpsel mitzunehmen, will er noch überdenken, hat er gesagt. Auf jeden Fall wird er auch einen Bundeswehr-Esbitkocher inklusive Brennstoff mitbringen, der ganz wunderbare Dinge können soll. Wir müssen natürlich aufpassen, dass David nicht zu militärisch rüberkommt. In kriegerischen Absichten die Alpen zu überqueren, ist in der Vergangenheit nicht immer nur gut angekommen. Aber das wird schon gut gehen - wir haben ja keine Elefanten dabei.

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