Freitag, 28. August 2015

Haken setzen

Dienstag beginnt meine Tour über die Alpen - zu zweit, zu Fuß und ohne Elefanten! Ich freu mich wie Bolle. Nur wenige Tage - vier, um genau zu sein - bleiben mir noch, um meine letzte "To Do"-Liste abzuarbeiten. Auf der stehen noch ein paar Kleinigkeiten, hinter die ich Stück für Stück einen Haken setzen möchte. Zum Beispiel hinter "Haken". So einer fehlte nämlich bislang in meiner inzwischen doch recht umfangreichen Bergausstattung.

Als erstes versuchte ich mein Glück in einem Sportgeschäft mit Wanderbedarf, in das ich während meiner Mittagspause auf der Arbeit mal schnell hineineilte. Ich erfuhr: Karabinerhaken führt man dort nicht. Aus Frust - und um nicht gänzlich vergebens hergekommen zu sein - kaufte ich kurzerhand eine interessant gemusterte Schwimmhose und ein ziemlich hässliches Funktionshemd, das aber um 50 % reduziert war. Wo ich denn ansonsten Karabinerhaken bekommen könnte, fragte ich an der Kasse. Die sichtlich überforderte Kassiererin empfahl mir etwas schnippisch das Jagdgeschäft im zweiten Stock. Obwohl im Wort "Karabinerhaken" der Name einer Waffe vorkommt und der Haken tatsächlich ganz ursprünglich mal von Kavalleristen dafür genutzt wurde, um den Karabiner schnell am Bandelier zu befestigen, erschien mir ein Jagdgeschäft dann doch nicht ganz so passend. Ich bedankte mich artig für den super Tipp, lobte sie überschwänglich für ihre Hilfe und machte mich zügig auf den Weg zum Warenhaus im Erdgeschoss, bevor noch irgendwer meine Ironie als solche erkannt hatte. Zu meiner Enttäuschung hielt auch das ansonsten gut sortierte Einzelhandelsgeschäft keine Karabinerhaken vor. Um die drohende Pleite abzuwenden und meine Einkaufstour nicht bloß mit einer seltsam gemusterten Schwimmhose, einem hässlichen Funktionshemd und einem schlechten Gefühl zu beenden, kaufte ich kurzentschlossen noch schnell ein viertel Pfund Gehaktes und eine Dose "Kerbel gerebelt", weil mich allein der Name jedes Mal ungemein erheitert. Und mit Fleisch von der Jagd nach Hause zurückzukehren, gibt mir immer ein sehr gutes Gefühl. Muss irgendetwas archaisch männliches sein.

Um meiner akuten Karabinerhakeninsuffizienz wirksam und nachhaltig etwas entgegenzusetzen, suchte ich tags darauf das Wandergeschäft meines Vertrauens auf. Die hatten ganz bestimmt einen Karabinerhaken im Sortiment, war ich mir sicher. Mit dieser Annahme lag ich ausnahmsweise mal richtig. Das hatten sie nämlich in der Tat - und nicht nur einen! Bei meinem Stichwort "kleiner Karabinerhaken" gab man sich jedoch nachdenklich. Kleine Karabinerhaken hätte man in verschiedenen Ausführungen, dachte der Verkäufer laut nach. Die Frage sei, welche Belastbarkeit gefordert wäre. Es gäb da zum Beispiel einen kleinen Aluminium-Karabiner mit einfachem Drahtschnapper, wenige Gramm schwer, der eine Belastung von 400 kg aushalten würde. "Was wollen sie denn damit befestigen?", fragte mich der Verkäufer nicht ganz unberechtigterweise. "Nun, es ist so", räusperte ich mich und kam mir ein bisschen blöd vor: "Wenn ich beim Wandern bin, ziehe ich immer wieder meine Mütze an und dann wieder aus, je nach Sonneneinstrahlung und Körpertemperatur." Aha, fand der Verkäufer. "Toll wäre, wenn ich die Mütze für die Zeit, in der ich sie nicht auf habe, irgendwo an meiner Jacke oder am Rucksackgurt befestigen könnte." Schweigen auf der anderen Seite der Verkaufstheke. "Ist eher eine leichte Mütze", schob ich sicherheitshalber noch erklärend hinterher und lächelte nervös. "Mmh, dann reicht wahrscheinlich der Karabinerhaken eine Nummer kleiner", resümierte der Verkäufer mit ernstem Gesicht. "Der hat eine Belastungsgrenze von 100 kg."


Eine humorige Angelegenheit, so ein Karabinerhakenkauf. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir schon viel früher einen zugelegt. Ich habe seine Belastbarkeit natürlich direkt getestet. Ein viertel Pfund Gehaktes hält er ohne Probleme aus.

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